Ziehen in puncto Blühwiesen an einem Strang: Rund um Ideengeber Florian Rehm (Mitte) versammelten sich vor der Bibliothek Bürgermeister Ivica Lukanic, von der Stiftung Manja Puschnerus, Walter Sandvoss, Prof. Dr. Christoph Helm und Martin Roßa, HAB-Direktor Prof. Dr. Peter Burschel, Klinik-Leiter Axel Burghardt, Susanne Kracht (BUND Wolfenbüttel) sowie Matthias Hartlich vom Gala-Bau Klingenberg und schließlich Jens Meyer, Abteilungsleiter städtische Grünflächen. Foto: Bluehwiesen©Frank_Woestmann

Lange Zeit war es ruhiger geworden um die historische „Gärtnerstadt Wolfenbüttel“ – wenn man mal von den grandiosen Bepflanzungen absieht, die das Gartenamt alljährlich in die städtischen Grünanlagen zaubert. Nun könnte aber ein neuer, wichtiger Impuls von der Stadt der Gärtner ausgehen: Auf Initiative der Curt Mast Jägermeister Stiftung (CMJ) soll die Anlage neuer Blühwiesen forciert und unterstützt werden.

„Wir wollen, dass möglichst viele Rasenflächen artgerechter gestaltet werden“, schilderte bei einem Pressetermin Florian Rehm, Vorsitzender des Stiftungsvorstands und Sprecher der Unternehmerfamilie Mast, den Plan. Im Grunde fußte die Entscheidung für das neue Förderprogramm sogar auf seinen eigenen Erfahrungen: „Ich bin in jüngerer Zeit oft an solchen Flächen vorüber gegangen und habe gedacht, dass man da dringend mal was machen sollte.“

Darum hat sich die Stiftung für das Jahr 2022 den Förderschwerpunkt Blühwiesen gegeben – nach Meinung von Manja Puschnerus eine Win-win-Situation für die Natur und die Menschen: „Blühwiesen schaffen ein wichtiges Nahrungsangebot für die Insekten, das allerorten zunehmend zurückgeht“, sagte sie als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung. „Andererseits ist es für uns alle wichtig, dass es den Insekten gut geht.“ Und genau das sei auf „artenarmen Mähflächen“ eben nicht der Fall.

Mit diesem Begriff sind in erster Linie die innerstädtischen Grün­flächen gemeint, die zwar akkurat aussehen, den Kleinlebewesen aber nicht viel zurückgeben. Drei Partner hat die Stiftung zunächst ins Boot geholt, um richtig mit großer Fläche zu starten: Neben der Stadt Wolfenbüttel noch das Klinikum und die Herzog August Bibliothek. Weitere Partner sind erwünscht. Zum Beispiel drängt sich eine Kooperation mit den örtlichen Wohnbau-Gesellschaften auf, die zwischen ihren Häusern über eine Vielzahl ungenutzter Wiesen verfügen.

Doch auch der einzelne Bürger ist gefragt. „Jeder Quadratmeter zählt“, sind sich Rehm und Matthias Hartlich einig, und blicken durchaus auf die Blumentöpfe und Balkonkästen der Bevölkerung – auch wenn die nicht bei der Förderung durch die Stiftung in Frage kommen. Vielmehr möchte CMJ zunächst die Stadt Wolfenbüttel bei der Anlage neuer Blühwiesen unterstützen. Bis zu 15.000 Quadratmeter Gebrauchsrasen- und Wiesenflächen sollen mit finanzieller Unterstützung der Stiftung umgewandelt werden. Gemeinsame Ziele: Folgen des Klimawandels mildern, Nahrungsquellen für Insekten schaffen, Biodiversität fördern.

Weitere Kooperationen gibt es mit dem Klinikum und der Bibliothek. Krankenhaus-Leiter Axel Burghardt meldete eine Fläche zwischen Kindergarten und Radiologie als Start an („Denkbare Flächen gibt es reichlich“), HAB-Direktor Prof. Dr. Peter Burschel lobte die Initiative, erinnerte an die Arbeitsgemeinschaft Library and Climate Change sowie die Tatsache, dass rund um das neue Magazin bereits vor Jahren eine Blühwiese entstanden sei.

Gleichwohl steht gerade das Bibliotheksquartier im Mittelpunkt einer ersten Aktion: Im März werden die Grasflächen zum Schloss hinüber teils aufgenommen und mit den Zwiebeln ein- bis dreijähriger Blüher bestückt. Darüber berichteten Susanne Kracht (BUND Wolfenbüttel) sowie Matthias Hartlich von Gala-Bau Klingenberg. Beide begleiten die Stiftungsini­tiative ebenso wie Jens Meyer (Abteilungsleiter Grünflächen). Unter seiner Führung hat die Stadt schon im Herbst die ersten Pflanzungen vorgenommen. „Wir waren von der Idee gleich begeistert“, unterstrich Bürgermeister Ivica Lukanic. „Die Flächen der Stadt zu extensivieren, ist eine tolle Sache.“ Interessant: „Auch wenn es der ein oder andere vielleicht so denken mag, die extensive Pflege spart im Vergleich zur intensiven Pflege weder Zeit noch Aufwand ein“, erklärte Meyer. „Aber sie hilft, dass Niederschlagwasser schneller versickert, die Bereiche besser gekühlt werden und die Sauerstoffproduktion gefördert wird.“

Den Initiatoren ist klar, dass es für ihren Vorstoß nicht nur Applaus geben wird. „So eine bunte Blühwiese wird nicht jedem gefallen, wo vorher eine akkurate Rasenkante stand“, glaubt Manja Puschnerus. Doch man müsse die Bevölkerung aufklären und sensibilisieren für das Thema. „Darum wollen wir auch die unterschiedlichen Blühwiesen mit Informationstafeln bestücken.“

Informationen sollen aber auch in die andere Richtung laufen: „Wir freuen uns über Nachahmer – und über Menschen, die uns infrage kommende Flächen melden“, betonte Florian Rehm. Die Stiftung wolle ihr Engagement gern über das Stadtgebiet und ihre Ortsteile hinaus ausweiten, auch bis in den Landkreis hinein.